Grundschule Auf der Wahr

Konzept zur Differenzierung und Individualisierung

 

Unterrichtskonzept:

Grundsätzlich hat sich die Lehrerkonferenz immer wieder Gedanken darüber gemacht, wie man den Kindern mit ihren unterschiedlichen Bedarfen noch besser gerecht werden kann. Durch eine Weiterbildung mit dem Thema „Individualisieren mit System“ (Verlag an der Ruhr; Grunefeld, Schmolke) sind wir auf ein neuartiges Unterrichtskonzept gestoßen, dass unseren Wünschen sehr entgegen kam und durch das angebotene Material umsetzbar erschien.

Das Konzept beinhaltet folgende Schwerpunkte: Zum einen werden vor Beginn eines Schuljahres Jahrespläne in Deutsch und Mathematik erstellt, die alle Lernbereiche übersichtlich (DIN-A4) darstellt und auch für Eltern nachvollziehbar macht. Diese können dann allen Eltern ausgehändigt und in der Klasse für die Schülerinnen und Schüler ausgehängt werden.

Überdies erhalten die Kinder für beide Fächer Teilarbeitspläne, die Pflicht- und z.T. Wahlaufgaben enthalten, die die Kinder bearbeiten müssen. Die verschiedenen Teilarbeitspläne sind thematisch und farblich unterschiedlich und finden sich auf dem Jahresplan wieder.

Alle Kinder des ersten Schuljahres beginnen gemeinsam mit der gleichen Farbe des Teilarbeitsplans. Beendet ein Kind nun einen Plan, schreibt es darüber eine Lernzielkontrolle, die Eltern bekommen eine Rückmeldung über den Lernstand ihres Kindes. Dann beginnt die Arbeit mit dem nächsten Plan. Jedes Kind darf in seinem eigenen Lerntempo arbeiten, muss aber auch lernen zu akzeptieren, dass andere Kinder schneller oder langsamer als sie selbst sind.

Zeigt sich, dass ein Kind bereits den Stoff des jeweiligen Plans beherrscht oder auch nur einen Teil davon, sollen Pflichtaufgaben gestrichen werden, so dass diese Kinder ihre Pläne schneller bearbeiten dürfen, um zu anspruchsvolleren Aufgaben zu gelangen. Schnelle Lerner erhalten Fordermaterial in Form von Expertenheften oder Knobelaufgaben/-karteien. Zudem testen wir derzeit ein stufenübergreifendes Schülercoaching, bei dem lernstarke Schüler des zweiten Schuljahres mit Schülern des ersten Schuljahres im Fach Mathematik an Problemstellungen in einer Mathekonferenz arbeiten.

In den Klassen wird mit diesem System nicht durchgängig gearbeitet, sondern in sogenannten „Werkstattstunden“ oder „Planarbeitsstunden“. Diese finden flexibel in Doppelstunden ca. 3x pro Woche statt. An den beiden anderen Tagen werden dann Inhalte vertieft, eingeführt und Lernzielkontrollen geschrieben.

Während die Jahrespläne für die gesamte Schule verbindlich sind, befinden wir uns mit den Teilarbeitsplänen in den ersten drei Jahrgangsstufen noch im Aufbau und in der Erprobungsphase. Ziel ist es aber in jedem Fall, ein schuleigenes, angepasstes System zu entwickeln, das den immer mehr zunehmenden Ansprüchen der Kinder gerecht werden kann, das aber auch die Kolleginnen und Kollegen sieht, die diesen Ansprüchen gerecht werden müssen. Darüber hinaus möchten wir Unterricht für Eltern transparenter gestalten und Inhalte übersichtlich darstellen. Exemplarisch haben wir im Anschluss an dieses Kapitel einen Jahresplan und zwei Teilarbeitspläne beigefügt.

Unterrichtswerke:

In den Fachkonferenzen Deutsch und Mathematik wurde lange darüber nachgedacht, welches Unterrichtsmaterial sich dazu eignet, in diesem neuen Konzept verwendet zu werden. Wir haben uns in Deutsch für die „ABC-Lernlandschaft“ (vpm-Verlag; Dahncke, Bode-Kirchhoff, Rackwitz, Brinkmann) sowie für „Flex und Flora“ (Diesterweg; Autorengruppe), in Mathematik für das „Matherad“ (vpm-Verlag; Fiedel-Gellenbeck) entschieden. Diese Unterrichtswerke basieren alle auf der Idee, dass Kinder in ihrem eigenen Lerntempo arbeiten und schneller oder langsamer voran schreiten können.

 

Deutsch:

Für die Klasse 1 besteht die ABC-Lernlandschaft aus einem Paket von 6 Arbeitsheften, wovon wir 5 für die Kinder angeschafft haben („Ich und meine Geschichten“ haben wir aus Kostengründen weggelassen):

  • Lauschheft
  • Buchstaben-Heft (zum systematischen Einführen von Lese- und Schreibverfahren)
  • Wörter-Heft (zum freien Schreiben)
  • Lese-Heft (zum Lesen lernen)
  • ABC-Heft (zum richtigen Schreiben)

In den Heften kann jedes Kind nach eigenem Tempo arbeiten und innerhalb des Werkstattunterrichts auch an den Themen, die es gerade gern bearbeiten möchte (Grundlage dafür ist immer der Arbeitsplan!). Es gibt die Möglichkeit, sehr detailliert Rückmeldung zum jeweiligen Lernstand zu geben, so dass Eltern und Kinder regelmäßig informiert werden können.

Ab Klasse 2 arbeiten wir derzeit noch auf Probe sowohl mit den Fortsetzungsheften der ABC-Lernlandschaft (Klasse 2 bis 4) sowie mit Flex und Flora (ab Klasse 3).

Die ABC-Lernlandschaft ab Klasse 2 umfasst 4 Arbeitshefte im Basispaket:

  • Heft Werkzeuge zum Lesen und Schreiben (zum systematischen Einführen von Lese- und Schreibverfahren)
  • Heft Texte schreiben (zum freien Schreiben)
  • Heft Texte lesen (zum Lesen üben)
  • Heft Der kleine Sprachforscher und merkwürdige Wörter (zum richtigen Schreiben)

Rückmeldungen zum jeweiligen Lernstand werden wie oben beschrieben gegeben.

Das Unterrichtwerk Flex und Flora umfasst für das dritte Schuljahr besteht aus insgesamt vier Arbeitsheften:

  • Sprache untersuchen
  • Richtig schreiben
  • Texte schreiben
  • Lesen

Auch in diesen Arbeitsheften kann nach individuellem Lerntempo gearbeitet werden. Dadurch fällt es leicht, die Inhalte in die Arbeitspläne der Kinder zu integrieren.

Die Arbeitshefte bieten der Lehrkraft nach Beenden eines Kapitels die Möglichkeit, eine gezielte Lernzielkontrolle über das Erlernte durchzuführen.

 

Mathematik:

Das Unterrichtswerk „Matherad“ hat seinen Namen vom dazugehörigen Poster, auf dem die Unterrichtsinhalte von jeweils zwei Jahren in Form eines Rades abgebildet sind (1. und 2. Schuljahr, 3. und 4. Schuljahr). Alle Themen im Arbeitsheft sind für die Kinder gut erkennbar durch eine farbliche Unterscheidung:

  • Blau: Zahlraumerweiterung
  • Gelb: Addition
  • Grün: Subtraktion
  • Rot: Multiplikation und Division
  • Lila: Sachrechnen

Jedes Kind markiert durch Klammern oder Magnete auf dem Matherad, an welcher Stelle es gerade arbeitet. Die Kinder sind stolz, wenn sie ihre Fortschritte so deutlich sehen und lernen, ihre unterschiedlichen Arbeitsweisen zu akzeptieren.

Wurde ein Lernbereich bearbeitet, füllen die Kinder und die Fachlehrerin zunächst einen Einschätzungsbogen aus. Dieser zeigt, wo das Kind und die Lehrerin noch Schwächen sieht. Die Lehrerin ergänzt, was noch geübt werden sollte. Die Eltern unterschreiben diesen und können sehen, was noch geübt werden kann.

Anschließend schreiben alle Kinder den „Teste dich“ - Test. Er wird nicht benotet, bezieht sich nur auf den Inhalt des Farbbereiches und zeigt den Kindern und Eltern durch einen genauen Rückmeldebogen, wo noch Lücken aufzuarbeiten sind. Dieser wird den Eltern gezeigt, so dass zu Hause daraufhin weiter geübt werden kann.

Erst nach etwa einer Woche folgt dann die eigentlich Klassenarbeit, die ab dem zweiten Halbjahr des zweiten Schuljahres benotet wird. Auch dazu gibt es einen Rückmeldebogen für die Eltern mit der Note, der unterschrieben werden muss.

Wichtig:

Differenzierung bedeutet, dass nicht unbedingt alle Kinder gleichzeitig einen „Teste-dich“-Test oder die Klassenarbeit schreiben. Da jedes Kind nach seinem eigenen Lerntempo arbeiten soll, braucht auch jedes Kind unterschiedlich viel Zeit, um einen Lernbereich zu bearbeiten und zu verinnerlichen. Es ist ganz besonders wichtig, dass die Eltern uns dabei unterstützen, ihr Kind annehmen in der Art zu arbeiten, aber auch mit dem Kind üben nach Maßgabe durch die Rückmeldebögen.

 

Lernumgebung:

In den letzten Jahren haben sich unsere Klassenräume mehr und mehr zu multifunktionalen Lernumgebungen verwandelt. So finden sich u.a. Bänkekreise für Plenumssitzungen, zur Einführung neuer Inhalte oder zum Singen. Hier finden die Morgen- und Abschlusskreise statt und hier werden auch Klassenratssitzungen abgehalten, genauso wie der „Helferkreis“, in dem man schwierige Lerninhalte wiederholt und vertieft. Der Bänkekreis ist also ein Treffpunkt für alle Kinder und alle Gelegenheiten.

Alle Klassen sind mit modernen Laptops ausgestattet, auf denen die Kinder Software für Deutsch und Mathematik finden. Wir haben uns für das Programm „Oriolus“ entschieden, da die Übungen kurz und gut verständlich sind. Auch die Software der „ABC-Lernlandschaft“ wurde auf den Rechnern installiert. Auf mehreren Tablets (Schuleingangsstufe) kann die Grundschrift geübt werden. Einige Klassenräume sind mit Flachbildschirm-TV´s ausgestattet sowie mit DVD-Playern, so dass in jedem Flur Filme gesehen werden können. CD´s zum Abspielen von Musik oder Begleit-CD´s sind selbstverständlich in allen Räumen vorhanden. Es gibt zahlreiche Lernspiele zur Differenzierung, die ebenfalls zur Übung genutzt und ständig erweitert werden. Jede Kollegin entscheidet selbst, mit welchem Material sie gern arbeitet und stellt sich ihr Material selbst zusammen. Jedoch ist das Ziel, jedes als sinnvoll getestetes Material in den Parallelklassen anzuschaffen, wie z.B. bisher Wendeplättchen, Montessori-Perlenmaterial, Steckwürfel, Wörterbücher usw.

Auch eine Vielzahl an Büchern steht in den Klassenbüchereien zur Verfügung. In freien Lesezeiten innerhalb der Werkstatt-/Planarbeit können die Kinder selbstständig Bücher/Texte auswählen, für die sie sich interessieren. Darüber hinaus steht den Kindern eine tolle Schülerbücherei zur Verfügung, in der sie zweimal wöchentlich Bücher ausleihen können. Derzeit ist ein Lesezimmer in Planung, in dem man freie Lesezeiten oder gezielten Leseunterricht durchführen kann.

Um aktuelle Lerninhalte für die Kinder transparenter zu gestalten, hängen in allen Klassen Plakate, Bilder, Referate, Fotos oder Poster aus, die dem Betrachter deutlich zeigen, woran gearbeitet wird. Wünschenswert wäre noch mehr Ausstellungsfläche in den Fluren und im Eingangsbereich, wie zum Beispiel eine Litfasssäule, an der Neuigkeiten ausgehängt werden könn